Essstörungen begegnen durch Therapie mit Pferden

Gedankenstrudel rund ums Essen

Egal um welche Essstörung es sich handelt

  • Anorexie
  • Bulemie
  • Binge Eating
  • Adipositas

alle haben eines gemeinsam:

Die Gedanken kreisen den lieben langen Tag ums Essen. Die einen machen sich Sorgen, dass mit jedem Krumen schon wieder ein Gramm zu viel auf die Hüfte gekommen ist, die anderen erleben kurzweilig Erleichterung beim Auskotzen von ständig währendem Druck, manche verfallen in die Maßlosigkeit, um sich von den Zwängen des Umfeldes abzugrenzen und andere suchen Trost, den sie im Essen finden.

Essstörungen haben oft für die Außenwelt etwas sehr befremdliches und werfen immer wieder die Frage auf – wie kann man nur abnormal mit seinem Körper umgehen?

Wie der Betroffene seine Essstörung erlebt

Der Betroffene nimmt seinen Körper in der Regel verzerrt wahr. Besonders ausgeprägt ist dieser Wahrnehmungszustand bei der Magersucht. Jetzt wird immer wieder beschrieben, dass die Schönheitszwänge vom Außen Essstörungen verursachen. Ganz ehrlich – es ist eine schöne Entschuldigung für das Versagen unserer Gesellschaft. Tatsächlich liegen die Ursachen oft in der Vernachlässigung kindlicher Bedürfnisse. Die können nicht generalisiert werden, sondern sind individuell zu betrachten. Es kann auch nicht wirklich ein Schuldiger gesucht werden, da oft die kindlichen Bedürfnisse nicht erkannt werden. Kinder können schwer benennen, was ihnen fehlt und wonach sie sich sehnen.

Fakt ist, dass dieser vernachlässigte Anteil anfängt, ein Eigenleben zu entwickeln und sich vom Rest der Persönlichkeit abtrennt und eine Art parasitäres Verhalten entwickelt. Und dann beginnt der Teufelskreis – er fängt an, seinem „Wirt“ zu erklären, dass sein Körper falsch ist. Oder er versucht, seinen „Wirt“ davon zu überzeugen, dass er nun über das Essverhalten sein Umfeld beherrschen kann. Der „Parasit“ strebt nach Macht im übertragenen Sinne. Zeitgleich betäubt er den gesunden Persönlichkeitsanteil, der keine Kontrolle über das schädigende Treiben seines „Parasiten“ mehr ausüben kann. Natürlich ist es viel differenzierter zu betrachten, aber für das allgemeine Verständnis sollte es reichen.

Die Betroffenen leiden sehr unter diesem „parasitären“ Zwang, dem sie ohnmächtig ausgeliefert sind. Was sich anfänglich gut anfühlte, wird zur Sucht/ Zwang.

Das Erleben der Außenstehenden

Interessant ist, dass das Umfeld des Betroffenen sich genauso ohnmächtig fühlt, wie der Betroffene sich selbst. Und somit beginnt auch für Freunde oder Verwandte ein Teufelskreis. Sie versuchen oft durch verzweifelten Zwang den Betroffenen von seiner Essstörung fernzuhalten. Das Ergebnis – ungewollt geben sie dem „Parasiten“ Recht und stärken ihn in seinem Machthunger. Je verzweifelter das Umfeld reagiert um so stärker wird die Essstörung. Was passiert also zusätzlich? Ohne es zu merken, lassen die Angehörigen den „Parasiten“ auch bei sich schmarotzen. Sie sind auf mentaler Ebene ausgezerrt, fühlen sich ausgelutscht und haben keinen „Schutzpanzer“ mehr. Die Verzweiflung wird so stark, dass auch ihre Gedanken nur noch ums Essen des Betroffenen kreisen und so auch eine eigene Vernachlässigung der Bedürfnisse einsetzt.

An diesem Punkt hat der „Parasit“ gewonnen. Der Kreis schließt sich. Die ursächliche Vernachlässigung der kindlichen Bedürfnisse schlägt zurück und zahlt es der Gesellschaft heim.

 

Essstörungen ganzheitlich begegnen

Was tun, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, das „parasitäre Geschwür“ sich ausgebreitet hat und zu allem Übel, der Betroffene keine Krankheitseinsicht zeigt?

Das erste, was ich immer mache, wenn ich mit Betroffenen arbeite – ich schenke der Krankheit, also dem Parasiten keine Beachtung, sondern konzentriere mich voll und ganz auf den Menschen, der vor mir steht. Mir ist es nicht wichtig, wie sein Körper aussieht. Ich schaue auf den Menschen, der vom „Parasiten“ betäubt wurde. Das Essen wird zur absoluten Nebensache, es gibt keine Frage nach dem Warum. Es gibt für mich nur die Frage, was bezweckt der parasitäre Persönlichkeitsanteil mit seiner Manipulation? Aber auch diese Frage stelle ich erst zu einem Zeitpunkt, wenn ich den gesunden Persönlichkeitsanteil aus seiner Betäubung geholt habe. Da sind meine Pferde sehr gute Helfer und das beste Medium, um mit diesem Anteil wieder in Kontakt zu kommen.

Es ist unglaublich, was dann passiert! Der parasitäre Anteil verlässt seine Deckung und wird greifbar. Es kommt in der Regel zur Krankheitseinsicht, was eine weiterführende psychotherapeutische Behandlung möglich macht. Es ist möglich, dass wir gemeinsam den „Parasiten“ zum „Symbionten“ feinfühlig umkehren, der dann eher dabei unterstützt, dass die Störung in die Heilung kommen kann.

Den Angehörigen helfe ich dabei, dass es ihnen gelingt, sich aus dem Teufelskreis zu befreien und der Essstörung nicht mehr die Aufmerksamkeit schenken wie bisher. Sie lernen, wie sie zusätzlich „symbiontisch“ auf den Gesundungsverlauf einwirken können und auch wieder mehr Raum für ihre eigenen Bedürfnisse schaffen können.

Es wird ein Weg, der nicht immer einfach ist, aber es ist ein Weg, der zum Erfolg führt, wenn alle liebevoll ihren Teil mit beitragen.

 

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