Die Stressfallen der nonverbalen Kommunikation im Führungsalltag

Das Leben könnte im Führungsalltag so einfach sein, wenn es nicht immer wieder menscheln würde. Machtkämpfe, Zickenkrieg, Befindlichkeiten, Unlust der Mitarbeiter und manchmal die dümmsten Fehler, die die Kollegen nur machen können. Manches passiert, doch manches kann abgestellt werden, wenn man weiß, wie die nonverbale Kommunikation funktioniert.

Ich habe in diesem Beitrag einige Stressfallen im Führungsalltag zusammengestellt, die leicht vermieden werden können:

1. Die Verneinung

Führungskräfte neigen immer gern dazu, das Problem anzusprechen, das sie nicht haben möchten.

„Ich möchte nicht, dass Sie dem Kunden Zugeständnisse machen.“

Klare Ansage oder? Woran liegt es nun, dass der Mitarbeiter dann doch die untersagten Zugeständnisse macht? Ist er zu blöd, Ihre Anweisung zu verstehen? Ignoriert er Sie als Führungskraft?

Nein, ehrlich gesagt haben Sie unbewusst Ihren Mitarbeiter dazu verleitet, genau das umzusetzen, was er nicht tun sollte. Wieso?????

Mit dem oben aufgeführten Satz platzieren Sie das innere Bild, dass der Kunde im Gespräch Zugeständnisse bekommt. Das Unterbewusstsein kann das Wort NICHT nicht verarbeiten.

Beispiel
Denken Sie jetzt nicht an ihren letzten Urlaub!
Sie können gar nicht anders, als die Erinnerung abzurufen, weil ich Sie auf der nonverbalen Ebene dazu animiert habe. Ich habe Sie an Ihren letzten Urlaub erinnert.

Lösung
Konzentrieren Sie Ihren Mitarbeiter auf das gewünschte Ergebnis.  Lautet Ihre Anweisung

“ Bleiben Sie standhaft bei unseren Leistungsforderungen, vermeiden Sie um jeden Preis Zugeständnisse.“,

dann haben Sie Ihren Mitarbeiter klar fokussiert auf das Ergebnis, das Sie erwarten, nämlich dass der Kunde eben keine Zugeständnisse bekommt.

2. Der höfliche Konjunktiv

Wer auf Augenhöhe führen will, bemüht sich immer, höflich die Anweisungen in einer Art Frage zu formulieren.

  • „Würdest Du bitte die Statistik fertigstellen?“
  • „Könntest Du die Zahlen bis nachher liefern?“
  • „Du solltest Dich um die Aufgabe kümmern.“

Wie oft passiert es, dass Ihr Mitarbeiter nicht zuverlässig die Bitte abarbeitet? Manche sind immer fleißig und andere scheinen immun zu werden.

Was passiert auf nonverbaler Ebene?
Sie platzieren kein klares Bild in Ihrem Mitarbeiter, sondern sprechen eine Bitte aus, der er abarbeiten kann, aber nicht abarbeiten muss. Also auch hier kann der Mitarbeiter nur bedingt etwas für sein Nichtleisten seiner Aufgabe.

Lösung
Sprechen Sie auch hier das klare gewünschte Bild an.

“ Stelle mir die Statistik bitte bis heute Nachmittag 15 Uhr fertig“

3. Das Orakel der unausgesprochenen Erwartungshaltungen

Nichts ist schlimmer, als unausgesprochene Erwartungshaltungen, die der Mitarbeiter orakeln soll. Eine gute Methodik, um den Mitarbeiter psychisch kaputt zu machen.

Gehen Sie bitte niemals davon aus, dass Ihr Mitarbeiter die gleichen Kenntnisse und Vorstellungen hat wie Sie. Sprechen Sie immer genau an, was Sie von ihrem Mitarbeiter erwarten und wie er bestimmte Aufgaben erledigen soll, wenn er die Aufgaben nach vorgedachten Handlungsabläufen abarbeiten muss. Ansonsten passiert es, dass Ihr Mitarbeiter eine Eigendynamik entwickelt und eigene Ideen umsetzt. Er wird nicht verstehen können, warum Sie unzufrieden sind, wenn Sie unausgesprochene Erwartungen an den Tag legen.

4. Die Unstetigkeit

Hand aufs Herz! Halten Sie Ihre Zusagen immer ein? Oder nutzen Sie Zusagen zur Motivation, wohl wissend, dass diese nur Luftschlösser sind?

Damit werden Sie nicht lange Erfolg haben, denn so zerstören Sie unweigerlich das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter wie auch die Leistungsbereitschaft. Die Möhre vors Maul halten ist zwar nett, aber es ist besser, wenn die Möhre dann auch nach vollbrachter Leitung verfüttert wird.

Dann ist Ihr Mitarbeiter Ihnen auch treu ergeben und voll motiviert.

5. Eigene Machtansprüche

Es ist viel dran an dem Spruch „Gib einem Menschen Macht und Du weißt wer er ist.“

Eine der am meisten unterschätzten Stressfallen sind unklare Hierarchieverhältnisse auf der nonverbalen Ebene. Bin ich voller Selbstzweifel, kann ich keine Macht ausstrahlen, auch wenn ich der Boss bin. Das merken Mitarbeiter. Ich kann noch so machtvoll auftreten und werde doch nicht ernst genommen. Dann bin ich in der Hierarchie meinen Mitarbeitern unterstellt. Führungskräfte, die sich verantwortungsvoll ihrer Macht (Hierarchie) bewusst sind und an sich glauben, sind präsent und müssen nicht extra machtvoll auftreten.

Sind Sie wirklich mit vollem Bewusstsein Leithengst oder Leitstute, oder dominieren in Ihnen Selbstzweifel? Erleben Sie häufig Diskussionen mit Ihren Mitarbeitern? Dann wird es Zeit, das eigene Hierarchiebewusstsein zu beleuchten.

 

All die oben aufgeführten Stressfallen tragen zum emotionalem Stress auf Führungsebene und auf Mitarbeiterebene bei. Diese können Sie vermeiden, wenn Sie meine kleinen Tipps beherzigen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in der Umsetzung!

 

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